Die Enthauptung des japanischen Christen Kenji Gotos

Der gewaltsame Tod eines japanischen Journalisten zeigt nun in aller Deutlichkeit, dass der religiöse Konflikt zwischen Christentum und Islam keineswegs nur auf westliche und nahöstliche Nationen beschränkt ist. Kenji Goto wurde 47 Jahre alt und hinterlässt eine Frau und zwei Kinder in Trauer.

Kenji Gotos

Kenji Goto war ein freiberuflicher Journalist, der mit Filmen und Büchern über zahlreiche Konflikte aus vielen Krisenregionen berichtete. Besonders Afrika und der Nahe Osten zählten zu seinen bevorzugten Regionen, in denen er das Leben zwischen den Fronten, in Armut und Krankheit zu dokumentieren versuchte. Er hatte eine Welt ohne Krieg und Konflikte vor Augen, sein Glaube stärkte ihn in seinem Wirken: im Jahre 1997 war er zum christlichen Glauben konvertiert.

Die Rettung eines Freundes

Nun wurde ihm die Rettung seines Freundes Haruna Yukawa zum Verhängnis. Yukawa und Goto lernten sich im April 2014 kennen, als Yukawa von der Freien Syrischen Armee gefangen gehalten wurde und Goto als Dolmetscher und Vermittler auftrat. Tatsächlich erreichte der Journalist die Freilassung und freundete sich mit Yukawa an. Die Nachricht von dessen erneuter Gefangennahme, dieses Mal vom IS, veranlasste Goto, abermals nach Syrien zu gehen und für Yukawas Freilassung einzutreten. Auch wenn der gottesfürchtige Goto um die Risiken wusste, hoffte er, ein japanischer Journalist würde von den Milizen des IS eher akzeptiert werden.

Das Drama um die beiden Japaner

Tatsächlich geriet auch Goto in Gefangenschaft und wurde nur kurz nach seinem Freund von den Terroristen durch Enthauptung hingerichtet. Da weder Yukawa noch Goto in offiziellem Auftrag in Syrien zugegen waren, zeigte sich die japanische Öffentlichkeit wenig berührt von der Gefangennahme der beiden Landsmänner. Im Falle Gotos jedoch änderte sich das Bild nach seiner Ermordung hin zum mitfühlenden Menschen, der seinem Freund zu Hilfe eilte. Erst durch sein Schicksal wurde auch Gotos Konvertierung zum Christentum bekannt, wodurch das Handeln seiner Mörder noch an Brisanz gewann.

Ein schreckliches Zeichen für den Konflikt der Kulturen und Religionen

Natürlich ist das Los Kenji Gotos ein Einzelschicksal. Dennoch berührt es und steht stellvertretend für das viele Leid, das religiöser Eifer und Verblendung verursachen können. In seinem letzten Video drückte er sein Bewusstsein für die Gefahr, aber gleichzeitig auch seine Liebe für die Menschen Syriens aus – ganz gleich was da komme. Während der japanische Premierminister Shinzo Abe davon sprach, die Terroristen zur Rechenschaft ziehen zu wollen, sprach sich die Mutter Kenji Gotos im Sinne ihres Sohnes deutlich gegen eine „Kette des Hasses“ aus. Möge das Andenken an das Leben und die Hilfsbereitschaft für Menschen und Freunde des Christen Kenji Goto als Vorbild und Mahnzeichen für die Welt fortbestehen.

Bildquelle: rorypecktrust.org