Glaube als Karrieretod?

Verhindert der Glaube Karrierechancen? Glaubt man der medialen Berichterstattung, dann ja. Denn sich zum Glauben bekennen, gleicht aktuell einem Zugeständnis zur rechtsradikalen Seite.

Schweigend zur Karriere

Der britische Mathematikprofessor John Lennox bezeichnet „Politische Korrektheit“ als intellektuelle Diktatur. Was steckt hinter dieser profunden Aussage? Lennox berichtet davon, dass immer mehr seiner Studenten sich nicht trauen würden, ihren Glauben offen zu leben – da sie in ihrer Profession sonst nicht ernst genommen werden. Doch nicht nur Studenten sehen sich diesem Zwiespalt zwischen Glaube und Forschung gegenüber, auch hoch dotierte Professoren. In England sei es, laut Lennox, mittlerweile so weit gekommen, dass man in öffentlichen Reden Gott nicht erwähnen dürfe – aus Rücksicht auf Andersgläubige. Doch wo kollidieren politische Korrektheit und Meinungsfreiheit?

Christen öffentlich als Rechtsradikale diffamiert

Sein Glaube hat auch den Lebensrechtler und Politiker der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Markus Hollemann eine Karrierechance gekostet. Er stellte sich für die Leitung des Referates für Gesundheit und Umwelt in der Münchner Stadtverwaltung zur Wahl. Durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung am Tag vor der Wahl wurde Hollemanns Mitgliedschaft der Lebensrechtsorganisation AlfA – Aktion für Lebensrecht für alle e. V. – bekannt gemacht. ALfA steht dafür ein, sich für das Lebensrecht aller einzusetzen – und damit u. a. gegen Abtreibung, Euthanasie und Forschung an Embryonen. Durch den Ruf eine radikale Organisation zu sein, wurde der Rücktritt Hollemanns gefordert – Hollemann zog seine Bewerbung zurück.

Politisch korrekt sein, bedeutet offenbar schweigen. Toleriert wird nicht mehr die Meinung anderer, sondern nur, was niemanden in irgendeiner Weise treffen könnte. Ein gefährlicher Weg, der durchaus hinterfragt werden sollte.

Mediale Stigmatisierung

Mehr denn je muss man prüfen, wie weit mediale Berichterstattung gehen darf – und inwiefern man dieser glauben soll.Die Medien erwecken gezielt den Eindruck, dass Gläubige automatisch im rechtsradikalen Lager zu verankern seien. Wer sich für bestimmte Themengebiete einsetze, gehöre sofort zu einer radikalen Organisation und sei somit nicht tragbar.Hollemann beispielsweise spendete der Organisation Christian Solidarity International und setzt sich damit für durch Islamisten verfolgte Christen ein.

Statt journalistischer Recherche und qualitativ hochwertiger Berichterstattung erfolgt rufschädigende Hetze, die viele Gläubige dazu zwingt, ihren Glauben zu verheimlichen. Im 21. Jahrhundert darf Glaube und Engagement nicht zum Stigmata werden.

In diese Kerbe schlägt nun auch der Spiegel-Artikel „Fromme Radikale“. In diesem Artikel werden konservative Christen in eine Ecke mit Rechtsradikalen gestellt. Begründet wird dies in den gemeinsamen Zielen gegen Islamisierung, Homosexualität und für ein traditionelles Familienbild. Diese sehr einseitige Betrachtungsweise trägt dazu bei, dass das Bekennen zum eigenen Glauben negative Auswirkungen haben kann.

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