Real Madrid oder Wie weit darf die Hingabe für Glaube strapaziert werden?

Der Glaube versetzt Berge, so heißt es. Aber versetzt der Kommerz den Glauben? Kommt der schnöde Mammon ins Spiel – und das darf wörtlich genommen werden – fallen „eherne“ Prinzipien schneller zum Opfer als sie zuvor beteuert wurden. Jüngst ist dies beim weltbekannten Fußballklub Real Madrid geschehen.

Sponsor vs. Glaubensbekenntnis

Sicher, es mag keine originelle Feststellung sein, dass Glaubensbekenntnisse machtpolitischen oder monetären Interessen untergeordnet werden. Das kann jedoch spätestens dann nicht mehr ignoriert werden, sollte dabei eine zweite Leidenschaft des Menschen berührt werden – wie in diesem Falle der Volkssport Fußball. In das Zentrum des öffentlichen Interesses rückte der spanische Rekordmeister durch eine optische, für den Fußballmuffel kaum merkliche Veränderung des Vereinswappens. Besagtes Wappen ziert seit mehr als 90 Jahren (mit einer 10-jährigen Unterbrechung) die spanische Krone, welche ihrerseits mit einem christlichen Kreuz geschmückt ist. Dieses Kreuz wurde nun von Real Madrid entfernt. Die Welt fragte sich augenblicklich, ob dies aus Rücksicht auf den neuen Sponsor geschah.

Sponsor vs. Glaubensbekenntnis

Der spanische Traditionsklub schloss nämlich im Herbst diesen Jahres einen Vertrag mit der „National Bank of Abu Dhabi“ als Werbepartner ab. Teil der Kooperation ist eine von der Bank angebotene Kreditkarte, die auch als Mitgliedskarte für den Fußballverein fungiert und dementsprechend das Logo des Klubs zeigt – ohne christliches Kreuz. Auch wenn oder gerade weil das Team ansonsten mit dem vollständigen Emblem auftreten wird, liegt ein Zugeständnis an den arabischen Partner nahe. Real Madrid würde damit immerhin nicht zum ersten Mal Rücksicht auf die arabische Glaubenswelt nehmen: Für einen geplanten und nicht realisierten Fußball-Vergnügungspark in den Vereinigten Arabischen Emiraten verzichtete der Klub vor rund zwei Jahren schon einmal auf das symbolträchtige Kreuz.

Religionsübergreifende Verständigung oder Gewinnsucht?

Eine vorschnelle Verurteilung dieser Maßnahme könnte allerdings unangemessen sein. Natürlich ließe sich leicht der Schluss ziehen, Real Madrid würde für mehr Einnahmen sein religiöses Bekenntnis verraten. Eine etwas andere Sichtweise könnte aber zu dem Schluss kommen, hier läge eine Fall von religionsübergreifendem Verständnis vor. Immerhin bedeutet der Verzicht auf das Kreuz einerseits eine Rücksichtnahme auf zahlreiche arabische Bankkunden und andererseits eine mögliche Demütigung der heimischen und nicht selten religiösen Fangemeinde – leichtfertig wird der Verein diesen medienwirksamen Schritt nicht getan haben. Letzten Endes wird es jedem selbst überlassen bleiben, ob Geld allein eine Rechtfertigung für ein verschwundenes Kreuz sein könnte…

Bildquelle: Hasan Anac / pixelio.de (701615)