Wahl in Frankreich: Das Schweigen der Bischöfe

Die Wahl in Frankreich geht in die nächste Runde. Eine Stichwahl soll die Entscheidung zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen bringen. Die französischen Bischöfe geben entgegen früheren Gepflogenheiten keine Wahlempfehlung ab. Das stößt auf Unverständnis in der französischen Bevölkerung.

Am 7. Mai findet die Stichwahl in Frankreich statt. Die Bischöfe geben diesmal keine gemeinschaftliche Erklärung ab.

Am 7. Mai kommt es aller Voraussicht zum Showdown zwischen dem europäischen und dem nationalistischen Frankreich. Laut Umfragen liegt „En Marche“-Kandidat Emmanuel Macron vor der Chefin der Front National, Marine Le Pen. Die katholische Kirche meldete sich in der Vergangenheit bei solchen Gelegenheiten mit Empfehlungen zu Wort – vor allen Dingen, um ausdrücklich vor der Wahl des rechtsextremen „Front National“ (FN) zu warnen. Eine gemeinschaftliche Stellungnahme der Bischöfe bleibt bei dieser Wahl jedoch aus. Am Sitz der Bischofskonferenz wird eingeräumt, dass man deswegen mit Vorwürfen der französischen Bevölkerung überhäuft werde.

Einheitliche Haltung fehlt

Einzelne Bischöfe, darunter die Erzbischöfe von Rennes und Aix-en-Provence, ermahnten individuell dazu, in der Stichwahl an diesem Sonntag nicht Marine Le Pen (FN) die Stimme zu geben. Im Gegensatz dazu verteidigte der Bischof von Toulon, Dominique Rey, die Haltung der Bischofskonferenz. Die Kirche müsse „bei ihren Leisten bleiben“ und dürfe lediglich „an Prinzipien erinnern“. Interessant ist, dass Rey vor zwei Jahren die FN-Abgeordnete Marion Maréchal-Le Pen zu einer Sommerakademie seines Bistums eingeladen hatte.

Die praktizierenden Katholiken Frankreichs machen zwischen 10 und 15 Prozent der Wahlberechtigten aus. Von ihnen haben zwei Drittel beim ersten Wahlgang für einen Kandidaten gestimmt, der nicht in die Stichwahl gekommen ist. „Eine der wichtigsten, verwaisten Gruppen“ nennt sie ein Wahlforscher und ergänzt: „Der Front National verfügt über eine reale Anziehungskraft auf praktizierende Katholiken.“

Im Gegensatz zu der Bischofskonferenz warnten jüdische, protestantische und muslimische Institutionen Frankreichs klar vor einer Wahl Le Pens. Eine von „Le Monde“ in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass 46 Prozent der Katholiken – ohne Unterscheidung zwischen praktizierend oder nicht-praktizierend – am Sonntag für Marine Le Pen stimmen wollen.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de (607155)