Weihnachten: Liebe, Güte und Freude mit sich und der Welt

„Alle Jahre wieder“ heißt es schön, wenn es auf Weihnachten zugeht, „kommt das Christuskind“. Aber am 24.12. kommt nicht nur das Christuskind, sondern für viele Menschen auch Traurigkeit, Einsamkeit und das Bewusstsein, dass es anderen Menschen besser geht.

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Weihnachten ist eine besinnliche Zeit, nicht nur wegen der Ruhe, die nach dem Vorweihnachtstrubel plötzlich einkehrt, sondern auch weil die Menschen sich im positiven wie negativen Sinne in dieser Zeit Gott oftmals am nächsten fühlen. Denn für arme, kranke oder alleinstehende Menschen, die weder Familie noch Freunde in ihrer Nähe wissen, ist das, was im Alltag fehlt, gerade an Weihnachten sehr deutlich zu spüren und kaum mehr erträglich. Im frommen Glauben, weil die Geburt Jesu Christi gefeiert wird, und manchmal eben auch schlicht aus größter Not heraus. Schließlich hören für bedürftige oder notleidende Menschen die Sorgen nicht plötzlich auf zu existieren – im Gegenteil, sie können sogar besonders hervortreten. Schließlich wird das Weihnachtsfest medial in bester Weise perfekt dargestellt. Alle sind gesund, allen geht’s gut und stets ist eine glückliche Familie zu sehen.

Leben mit der Not zur Weihnacht

Die Realität ist wie so oft der heilen Weihnachtswelt von Werbung und Fernsehen ziemlich fern. Weihnachtsbaum, Geschenke oder ein Festmahl? Für viele undenkbar. Vielleicht ist das Geld kaum für die Grundnahrungsmittel da, geschweige denn für Präsente für Kinder oder den Partner. Womöglich aber wird das Weihnachtsfest unmöglich gemacht, weil man in einem kriegsgepeinigten Teil der Welt lebt, in dem das nackte Überleben zählt. Unter Umständen liegt es nicht an Geld oder Möglichkeiten, sondern vielmehr an fehlender Familie oder die Abwesenheit von Freunden. Die Traurigkeit an Weihnachten hat mehr Gesichter als je beschrieben werden könnten.

Feiern eingedenk der Armen, Kranken und Einsamen

Die eigene Not oder die Not anderer ist ein schwieriges und verzwicktes Thema. Zum einen natürlich für die Betroffenen. Aber auch für die Menschen, denen es gut geht. Manch einer wird sich möglicherweise fragen, darf man zu Weihnachten überhaupt glücklich sein bei so viel Leid in der Welt? Darf ich mir und meiner Familie überhaupt etwas Gutes tun, während in anderen Teilen der Welt oder sogar mitunter gleich nebenan es allen Ecken und Ende fehlt und um Leib und Leben gebangt wird? Es sind Fragen, die sich weder leicht noch eindeutig beantworten lassen und zu einem großen Teil jeder für sich selbst klären muss. Schnell kann sich allerdings Überforderung einstellen im Angesicht des eigenen Leidens oder das anderer. Schmerz und Probleme der Menschen sind schließlich so groß und zahlreich, dass ein Einzelner oder auch eine Familie schlicht verzweifeln muss.

Auf der einen Seite die Not, auf der anderen Seite die Ohnmacht

Die christliche Nächstenliebe lehrt das Teilen, Güte und Mitgefühl, aber im Angesicht der Bedürftigen gelangt selbst der beste Christ schnell an seine emotionalen und ebenso finanziellen Grenzen – dazu sind der Leidenden zu viele und das Leid insgesamt zu groß. Nun hilft es aber weder den Benachteiligten im Schmerz zu versinken noch den Glücklicheren aus Mitgefühl sich die Freude zum Fest zu versagen. Hier macht sich Resignation breit, während dort schlechtes Gewissen und Zweifel nagen, zu wenig für die Armen zu tun. Doch wem nützt es, wenn jeder traurig ist und Hoffnungslosigkeit oder Scham versinkt?

Verschiedene Richtungen, derselbe Ort

Der Weg für beide Seiten führt letztlich fast wie von selbst zu Gott. Denn nur Er hilft, wenn nicht geholfen werden kann. Nur Er kann die letzte Zuflucht sein für die Verzweifelten und Hilflosen. Nur Er spendet Trost und Halt, wenn der Mensch nicht mehr weiter weiß. Den Bedürftigen gibt Gott Hoffnung und spendet in seiner Güte Erleichterung. Den Menschen, die im Zwiespalt zwischen einerseits der Freude über das Weihnachtsfest im Kreis der Familie und ihrer Lieben sind und andererseits der Gewissheit, nicht genug helfen zu können, ist Gott Ansprechpartner und Stütze. Aber auch Empfänger ihrer Gebete, den weniger Glücklicheren doch helfen zu mögen. So wendet sich jeder an Gott, ganz in seinem Ansinnen. Vielleicht für ein Weihnachtsfest, das jedem – auch den Traurigsten – wenigstens etwas Freude und Beschaulichkeit beschert, selbst wenn die Sorgen noch so drücken mögen.