Weise oder blasphemisch: ein Gott für Muslime, Juden und Christen

Für einen Christen ist seine Religion Hingabe, Spiritualität und Lebensaufgabe. Leider ist Religion an sich ebenfalls Quelle für ein hohes Konfliktpotenzial – vor allem in Abgrenzung zu anderen Religionen. Pfarrerin Annette Stepputat sagt jedoch, es gäbe nur einen einzigen Gott. Religion ist zunächst eine sehr persönliche Angelegenheit und je persönlicher ein Thema berührt, desto schwieriger […]

Wir alle vertrauen auf den Glauben

Für einen Christen ist seine Religion Hingabe, Spiritualität und Lebensaufgabe. Leider ist Religion an sich ebenfalls Quelle für ein hohes Konfliktpotenzial – vor allem in Abgrenzung zu anderen Religionen. Pfarrerin Annette Stepputat sagt jedoch, es gäbe nur einen einzigen Gott.

Religion ist zunächst eine sehr persönliche Angelegenheit und je persönlicher ein Thema berührt, desto schwieriger gestaltet sich eine sachliche Diskussion. Darüber hinaus ist Religion sehr tief im gesellschaftlichen Leben verankert und schafft ein immenses Wir-Gefühl unter Gläubigen gleicher Konfessionen. Kein Wunder also, dass aus der Sicht von Judentum, Islam und Christentum jeweils sehr viele Menschen davon überzeugt sind, dass ihr Glaube der einzig wahre sei. Daraus resultiert oftmals die Verfolgung Andersgläubiger durch die Jahrhunderte hinweg mit stets wechselnden Rollen.

Was, wenn es so wäre?

Längst hat sich auch in den großen Weltreligionen eine aufgeklärte Haltung entwickelt, die die Annäherung zu den jeweils anderen sucht – und sei es auch nur zur Gewaltvermeidung bzw. Schadensbegrenzung, wenn die Güte dem Fanatismus weicht. Der einfachste Weg zur Verständigung ist die Identifikation von Gemeinsamkeiten. Aber was wäre, wenn die Gemeinsamkeiten sich vor allem im Höchsten zeigen, in Gott? So absurd und unerwünscht diese Auffassung klingen mag, so sollte sie immerhin sachlich beleuchtet werden. Zumal eine solche Position nicht von weltlichen Denkern geäußert wird, sondern inmitten der Kirche entspringt.

Stepputat: ein Gott, aber auf verschieden Weisen genähert

Für Wirbel sorgte kürzlich die Karlsruher Pfarrerin Annette Stepputat, indem sie sagte, Juden, Christen und Muslime hätten einen einzigen Gott, der sich unterschiedlich offenbart hätte. Für die entsprechende Verwirrung sorgte sodann Kirchensprecher Daniel Meier durch seine Aussage, man solle Stepputat nicht so auslegen, als glaubten die drei Religionen an denselben Gott.
Nichtsdestotrotz werden die Worte der badischen Pfarrerin genau so interpretiert, als gäbe es demnach nur einen einzigen Gott. Was davon nun stimmen mag, eines ist sicher: jenseits aller gläubiger Empfindsamkeit hätte eine derartige Gemeinsamkeit der großen Glaubensrichtungen eine ungemein heilsame Wirkung auf so manchen brutalen Konflikt.

 

 

Bildquelle: Roger Kirby (1362457) / sxc.hu