OKem – die Flirt Spyware

OKem sah sich anfänglich Kritik bezüglich des Datenschutzes und genereller moralischer Vorbehalte ausgesetzt.

Flirten ist eine wunderbare Sache – auch für Christen. Doch manchmal lauert eine böse Überraschung, wenn der Beziehungsstatus des Gegenübers sich im Nachhinein als anders herausstellt, als der ihn angegeben hat. Ein junges Berliner Unternehmen sagt Fremd-Flirtern den Kampf an.

Der nette Typ in der Bar, freundlich und gutaussehend, hat viel über mich und meinen Glauben erfahren wollen. Und er machte diese charmanten Komplimente über mein Lächeln. Single sei er, so hat er es zumindest behauptet. Und er suche nach einer festen Beziehung, keine flüchtige Flirt-Bekanntschaft. War das die Wahrheit oder nur eine Masche, der viele vor mir bereits zum Opfer gefallen sind?

Leider bleibt die Ehrlichkeit beim Flirten manchmal auf der Strecke. Potenzielle amouröse Abenteuersucher fallen beim Kennenlernen oder dem ersten Date nicht gleich mit der Tür ins Haus. Sie berichten nicht von ihren vergangenen Beziehungen und dem einen oder anderen Seitensprung. Das wäre schließlich kontraproduktiv.

Ängste vor einer Enttäuschung nach dem ersten Flirt oder dem ersten Date haben ein besonderes Phänomen gesellschaftsfähig werden lassen: Cyberstalking, die Suche nach Informationen über den potenziellen Dating-Partner. Facebook, Twitter, Google und Co. bringen oft jedoch nicht alles ans Tageslicht, was wir eigentlich erfahren wollen.

Beim 3. Date erfuhr Lisa Maria Mino, dass ihr Tindermatch in einer festen Beziehung lebte. Und das brachte sie auf die Idee, mit einer App schnell für Klarheit sorgen zu können. Zusammen mit ihrer Freundin Charlotte Marxen, drei anderen Studenten und einem Programmierer setze sie ihre Geschäftsidee um – mit dem Ergebnis der Flirt-Spyware OKem. Die App des Berliner Start-ups soll sofort darüber Auskunft geben, welchen Beziehungsstatus die neue Bekanntschaft wirklich hat. Sie ist bereits jetzt für IOS verfügbar und auch das Release für Android ist in Planung.

Einfache, anonyme Bedienung

Die Bedienung von OKem ist denkbar einfach. Alles, was man benötigt, ist die Handynummer des Dates. Diese speichert man im Telefonbuch und gibt selbst an, in welcher Beziehung man zu der Person steht. Unterteilt sind die Kategorien in „Interessiert“, „Flirt“, „Dating“ und „Beziehung“. Und schon hat man die Möglichkeit, sich dessen Beziehungen anzusehen, die dort zuvor von anderen Nutzern eingetragen wurden. Eine Übersicht zeigt anschließend, wie viele Nutzer zu welchem Zeitpunkt berichteten, mit ebendieser Person geflirtet zu haben – oder sogar mit ihr zusammen gewesen zu sein. Ob diese Angaben stimmen, lässt sich jedoch nicht nachvollziehen

Alle Angaben erfolgen anonym und somit wird auch niemand erfahren, dass man selbst jemandem nachgeforscht hat oder an einer Person interessiert ist. Die beiden Macherinnen versichern neben der Anonymität auch, dass keinerlei Kosten auf die Nutzer zukommen und die Handynummern nicht an Dritte weitergegeben werden.

Wird die Grenze zum Stalking überschritten?

OKem sah sich anfänglich Kritik bezüglich des Datenschutzes und genereller moralischer Vorbehalte ausgesetzt. Zwar ist die Verwendung der App juristisch unbedenklich, da man nur dann mehr über eine Person herausfinden kann, wenn man bereits ihre Handynummer erhalten hat und alle Angaben anonym erfolgen. Doch kann man sich darauf verlassen, dass die Informationen, die OKem ausgibt, auch wirklich stimmen? Im Prinzip gar nicht, was die Macher der App sogar eingestehen.

So kann es passieren, dass man davon ausgeht, dass das potenzielle Date in einer festen Beziehung lebt, es sich dabei aber um eine falsche oder veraltete Angabe handelt. Schließlich muss die andere Person nicht verifizieren, ob dieser Beziehungsstatus tatsächlich stimmt – wenn sie überhaupt von diesem Eintrag weiß. Die aufgeführten Informationen sind also immer mit Vorsicht zu genießen. Sie sind lediglich als Ratgeber zu verstehen und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit.

Ist man selbst geschützt?

Man selbst kann kaum kontrollieren, welche Angaben andere über einen machen. Was, wenn sich Personen in der App als Deine angeblichen Partner ausgeben und Dir somit Dein Datingleben erschweren? Wenn die Angaben zur eigenen Person völlig verzerrt sind? Hier verspricht der Support von OKem Hilfe, wozu er allerdings erst einmal kontaktiert werden muss. So ganz ohne Tücken ist das Konzept aufgrund der Anonymität der User also nicht. Dennoch siegt bei den meisten wohl die Neugier, sodass die App bereits jetzt großen Anklang findet.

Klar ist: Die Gründer haben mit einem klassischen Plattform-Problem zu kämpfen. Erst wenn genügend Nutzer eine Verbindung zu denselben Personen eingestellt haben, kann die App einen Mehrwert bieten. Trotzdem kann sie für Partnersuchende den einen oder anderen Hinweis oder eine frühzeitige Warnung bereithalten, ab es sich beim Dating-Partner um einen ernstgemeinten Interessenten handelt oder um ein Luftschloss, von dem man lieber schnell die Finger lassen sollte.

Bildquelle: pfc

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