Singletipps, die niemand braucht

Singles haben es manchmal schwer. Wirklich schlimm wird es dann, wenn das Umfeld viele gut gemeinte Ratschläge hat

Singles zerbrechen sich hin und wieder den Kopf darüber, warum sie immer noch alleine durchs Leben tingeln. Aber manches kann oder will man eben nicht ändern. Umso nerviger ist es dann, wenn man sich auch noch dafür rechtfertigen muss. Gut gemeinte Tipps gibt es noch gratis oben drauf.

Der Frühling naht und Singles haben es alles andere als leicht: Frischverliebte Paare soweit das Auge reicht, nur die eigenen Frühlingsgefühle sind noch im Winterschlaf. Dabei hat es durchaus Vorteile, auf Solopfaden durchs Leben zu wandeln – wenn da nicht die vielen unnötigen Ratschläge wären.

Im Restaurant passiert es schon einmal, dass der Kellner fragt: „Warten Sie noch auf jemand? Kommen da noch wer?“ Schön wär`s. Aber nein, man sitzt hier alleine und es gibt keinen Menschen, mit dem man gleich romantisch Abendessen wird. Zumindest wird einem hier nicht vorgehalten, dass man den Mindestbestellwert nicht erreicht hätte.

Oft entstammt die Küchenpsychologie dem eigenen Bekanntenkreis, bestehend aus meist vergebenen Freunden. „Er/Sie hat Dich gar nicht verdient.“ Der Standartspruch nach jeder Abfuhr. Eigentlich war er/sie einfach toll und hatte mich total verdient. Bevor man dies jedoch erörtert, ist man bereits der nächsten Plattitüde ausgesetzt: „Ich verstehe gar nicht, dass Du noch Single bist.“ Gut, das verstehe ich auch nicht, will aber jetzt wirklich nicht darüber diskutieren.

Gern genutzt und ebenso überflüssig ist folgende Aussage: „Ich beneide Dich. Ich weiß gar nicht mehr, wie man flirtet.“ Aha, angekommen. Da ich Dich um Deine glückliche Beziehung beneide, schlage ich einen Tausch vor. Der Gegenüber wechselt gekonnt das Thema, nur um mich einige Zeit später mit einer Neuigkeit zu überraschen: „Deine Ex heiratet übrigens bald.“ So weiß ich jetzt wenigstens, dass es bei ihr gut läuft. Immerhin!

Gespräche unter Freunden

Offene Gespräche im Freundeskreis sind gut geeignet, Opfer eingehender Theorien über den eigenen Beziehungsstatus zu werden. Da fragt dann schon mal die Bekannte: „Du bist eher nicht so der Beziehungstyp, oder?“ Schlimmer wird es noch, wenn sie kurze Zeit später lang ausatmet und ein „Ich bin so froh, dass ich kein Single mehr bin.“ folgen lässt.

Zumeist sorgt ein solcher Gesprächsverlauf dafür, dass das Single-Thema von den anderen aufgegriffen. „Wenn ich Single wäre, würde ich es richtig krachen lassen.“ Aha! Das freut mich aber sehr. Warum trennst Du Dich nicht und lässt es krachen, schießt es da einem schon einmal durch den Kopf. „Du bist mehr so der Karriere-Typ.“ Diese Feststellung könnte man mit einem „Nein, ich bin eher so ein Beziehungstyp, habe aber den richtigen Partner noch nicht gefunden.“ kontern, aber manchmal ist Schweigen eine gute Alternative.

„Hattest Du überhaupt schon einmal eine Beziehung?“ Da bleibt einem in manchen Momenten schon einmal der Mund offenstehen. Nicht nur, dass man spätestens jetzt zum Hauptthema der gesamten Gesprächsrunde geworden ist, nein, jetzt begibt man sich gezwungenermaßen in die Verteidigungsposition – nur, um aus dieser mit einem echten Klassiker wieder hervorgeholt zu werden: „Nicht aufgeben, bei Paul hat es auch irgendwann geklappt.“ Soll das wirklich ein Trost sein? Das ist fast so schlimm wie ein aufmunterndes „Mein Onkel hat auch nie geheiratet und war immer glücklich.“ Das freut mich zwar wirklich für deinen Onkel, aber mein Lebensmodell sieht anders aus.

Am Ende des Abends nimmt man bei der Verabschiedung noch ein „Wenn Du aufhörst zu suchen, kommt die Richtige von ganz allein.“ entgegen und weiß letztendlich nicht, wie man den gutgemeinten Input der letzten Stunden verdauen soll…

Auch die Familie steht mit Rat und Tat zur Seite

Gerne steht auch die eigene Familie mit einem Sammelsurium der eigenen amourösen Lebenserfahrung bereit. „Manchmal geht es viel schneller, als Du denkst.“ Diese Aussage ist nach einer Suche, die nun schon viele Monate andauert, etwas unangebracht. Während Väter gerne den Weg der offenen Aussage wählen („Als Single hast Du mehr Zeit für Dich.“) neigen Mütter dazu, Überlegungen über die Ursache des Dilemmas anzustellen: „Du bist einfach zu anspruchsvoll.“, „Vielleicht musst Du es nur mehr wollen.“  oder „Du strahlst halt auch aus, dass Du niemanden brauchst.“ Ja, Mama. Wie bitte strahle ich das Gegenteil aus? Gerade als Christ fällt es mir relativ schwer, hier eine umsetzbare und erfolgsversprechende Methode zu entwickeln.

Bleiben noch die lieben Großeltern, die schon so viele gute Tipps für unser Leben gaben. Allerdings nur selten für die Beziehungssuche. So bekommt man schon mal zu hören: „Lieber Single als in den falschen Händen.“ Und das, wo man selbst schon gedacht hat `Lieber in den falschen Händen als in gar keinen…´. Oder „Du bist ja noch jung. Du wirst schon jemanden finden.“ Ja, aber wann genau, Oma?

Kopf hoch, liebe Singles. Die anderen meinen es ja nur gut. Und wenn Ihr auch zum x-ten Male gefragt werdet: „Bringst Du jemanden mit?“ Dann lächelt einfach. Selbst wenn die Antwort die gleiche ist wie bei den letzten 22 Geburtstagsfesten, 8 Familienfeiern, 11 Spieleabenden und 18 Kinobesuchen. Na und? Denken wir einfach daran, dass wir ihnen wichtig sind. Den richtigen Partner oder die richtige Partnerin finden wir schon ganz allein.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de (683531)

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