Papst Franziskus verneigt sich gen Mekka

Der erste Türkei-Besuch von Papst Franziskus steht ganz im Zeichen der Ökumene. Am zweiten Tag lässt er Worten Taten folgen und zeigt starke Gesten des gegenseitigen Respekts und der Verständigung. Gemeinsamkeiten werden betont und Freunde wieder vereint.

Papst Franziskus

Es ist der erste Türkei-Besuch in seiner Amtszeit. Papst Franziskus und Großmufti von Istanbul, Rahmi Yaran, Seite an Seite in stiller Kontemplation mit Kopf gen Mekka geneigt. Dieses leise Symbol des Einvernehmens zeigt mehr als tausend Worte, wie viel allen eine Religionsverständigung bedeuten würde.

Das zu vereinen, was zusammengehört – das ist das Ziel.

Der als bescheiden und durchsetzungsstark geltende Papst zeigte sich schon jeher als weltoffen und den Menschen zugewandt. So verwundert es nicht, dass er sich nun verstärkt für die Einigung und Einheit der Kirche einsetzt. In Patriarch Bartholomäus I. hat er einen Mitstreiter gefunden, der dieses Ziel ebenso gerne erreichen möchte, wie er selbst. Das Ehrenoberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche will ebenfalls die tausend Jahre zurückliegende Kirchenspaltung überwinden. Ein Treffen beider Kirchen in der Türkei wird für für das kommende Jahrzehnt angestrebt.

Symbole von tiefer Bedeutung

Ein tiefes Einvernehmen herrscht zwischen Großmufti Rahmi Yaran und Papst Franziskus, als der Gastgeber den Papst durch die Blaue Moschee führt, Koranverse erklärt und zur Geschichte des Islams erzählt. Den Kopf gen Mekka geneigt, so zollte Franziskus bei einer gemeinsamen stillen Kontemplation würdig seinen Respekt gegenüber dem Islam. Bereits vor acht Jahren überraschte Franziskus‘ Vorgänger Benedikt XVI. mit einer ähnlichen Geste und öffnete damit weitere Schranken, die beide Kirchen voneinander trennen. Bei seinem Besuch in Istanbul entlässt Franziskus zusammen mit Bartholomäus zwei weiße Tauben in die Freiheit.
Im anschließenden Besuch der geschichtsträchtigen Hagia Sophia, verewigte er sich dort mit einem Gebet im Goldenen Buch. Auf seiner dreitägigen Türkei-Reise besuchte er mehrere historische Gebäude, doch die knapp 1500 Jahre alte Hagia Sophia kann auf eine sehr bewegte Geschichte zurückblicken. Als letztes großes Bauwerk der Spätantike war sie bis 1453 Hauptkirche für Christen diente danach als Moschee. Seit 1934 ist sie ein Museum. Ein deutliches Zeichen, sich genau an diesem Ort ins Gebet zu versenken.
Abgerundet wurde der zweite Tag durch eine Messe in der Heilig-Geist-Kathedrale in Istanbul. Dort traf Franziskus auf Bartholomäus und Vertreter anderer Konfessionen. Bei der gemeinsamen Messe zeigten sie, dass die Kluft zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen überwunden werden kann. In seiner Predigt betonte er noch einmal, dass eine Einigkeit gelebt werden solle und man mit offenen Augen so wie offenen Herzen aufeinander zugehen müsse.

Bescheidenheit

Wieder einmal mehr bewies Franziskus seine bescheidene Art und Volksnähe. Auch wenn kein direkter Volkskontakt bei diesem Besuch eingeplant war und höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurde, ließ er die gepanzerte Limousine stehen und fuhr im grauen Mittelklassewagen vor. Diese vornehme, zurückhaltende Art beeindruckte die Bevölkerung vor Ort sichtlich.

Bildquelle: ministrieren.de/rom-2014/presse/pressebilder.html